Erhört Gott die Gebete anderer her als meine? - Andacht als Einstimmunng auf den Sommer
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Erhört Gott die Gebete anderer her als meine? - Andacht als Einstimmunng auf den Sommer

In der letzten Andacht vor dem Sommer gab Dekan Gabriel uns einige sehr wertvolle Gedanken zum Thema Gebet mit auf den Weg.

Wir beschäftigten uns dabei näher mit der Bibelstelle, in der Jesus den Schwestern Martha und Maria nach dem Tod ihres Bruders Lazarus begegnet. Die Schwestern hatten Jesus eine Nachricht geschickt, dass Lazarus krank ist, doch Jesus geht nicht gleich nach Bethanien, sondern erst nach einiger Zeit, und Lazarus ist bereits verstorben. Martha sucht Jesus am Stadtrand auf und sagt: „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben!“ und deutet an, dass Jesus etwas tun solle, um alles wieder gut zu machen. Jesus erklärt ihr, dass er die Auferstehung und das Leben ist, rührt sich aber nicht von der Stelle, und Martha geht nach Hause, um ihre Schwester Maria zu holen. Maria sagt zu Jesus ein- und denselben Satz: „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben!“. Sie spricht also genau dasselbe Gebet wie ihre Schwester, weint bitterlich, und als Jesus in ihr Herz sieht, spürt er ihren Schmerz und lässt sich schnell an Lazarus‘ Grab führen, um ihn von den Toten aufzuerwecken.

Nun stellt sich die Frage: Warum hat Jesus das Gebet der einen Schwester nicht erhört und das der anderen schon – obwohl beide genau das gleiche zu ihm gesagt haben? Soll das bedeuten, dass Jesus manchen Menschen eher zuhört als anderen?

Gottseidank ist es nicht so. Vielmehr geht es hier um eine unterschiedliche Haltung der Herzen. Gabriel erinnerte uns an die Bibelstelle, in welcher Jesus bei den drei Geschwistern zu Gast ist, und Maria sitzt zu Jesu Füßen, um ihm einfach nur zuzuhören, während Martha kocht und Jesus schließlich fragt: „Herr, kümmert es dich nicht, dass ich die ganze Arbeit allein machen muss? Sag meiner Schwester, sie soll mir helfen!“ Hierbei handelt es sich um die abgekürzte Form beinahe jeden Gebetes, das wir sprechen. Wir beschäftigen uns meistens nur mit uns selbst, fragen Gott, ob es ihn nicht kümmert, dass wir in dieser oder jener Situation sind und bitten ihn, doch endlich etwas dagegen zu unternehmen. Und genau darin liegt der Grund, warum solche Gebete nicht erhört werden können. Wir legen dabei nur den Fokus auf uns selbst und unsere Situation und möchten Gott sagen, wie es unserer Meinung nach sein sollte. Doch so hat Gott gar keinen Raum, um zu handeln. Vielmehr braucht Gott ein Herz, das ihm Raum gibt. So wie Maria sollten wir einfach nur bei Gott sein wollen, weil wir ihn und seine Nähe lieben und unser Leben mit ihm teilen wollen, und wir sollten Gott freie Hand lassen, alles so zu lenken, wie er es für richtig hält – und darauf vertrauen, dass es gut sein wird. Eine solche Einstellung gibt Gott Raum zum Handeln, weil er in den Mittelpunkt gestellt wird. Und aus der Nähe betrachtet erleichtert einem eine solche Einstellung das Leben zudem ungemein, da sie einem die Sorgen abnimmt und stattdessen in Gottes Hände legt. So sagt ja auch Jesus: „Martha, Martha (hier könnten wir genausogut den Namen eines jeden von uns einsetzen), du machst dir so viele Sorgen, aber nur eines ist nötig, und das hat Maria gewählt.“

Und weil Jesus in das Herz eines jeden sehen kann, findet er mancherorts ein Herz vor, in dem vor lauter Sorgen für ihn kein Platz ist, und anderswo findet er ein Herz, in dem er Raum zum Handeln hat und wo er etwas bewirken kann.

Gabriel erzählte uns in diesem Zusammenhang von einem alten, beinahe in Vergessenheit geratenen christlichen Grundsatz aus dem zweiten Jahrhundert, welcher besagt: „Wer sich mit Gott beschäftigt, mit dem beschäftigt sich Gott.“ Vor Gott brauchen wir keine großen Worte, er weiß bereits um all unsere Bedürfnisse, und Gott ist unbestechlich, er hat mit jedem Menschen gleich viel Mitleid. Wenn wir also möchten, dass Gott sich um unser Leben kümmert und uns gibt, was wir brauchen, dann müssen wir, wie Maria, nur eines tun: unser ganzes Augenmerk auf Gott legen. Das bedeutet, wir müssen uns nur darauf konzentrieren, im Gebet mit Gott verbunden zu sein und ihn zum Ziel unseres Zusammenseins mit ihm zu machen – und alles andere wird er uns dann dazugeben.

Musikalisch schön begleitet wurden diese tiefsinnigen Gedanken vom Schmirner Chor, und im Anschluss durften wir bei einer schmackhaften, von der Pfarre Gries aufwändig vorbereiteten Agape noch in geselliger Gemeinschaft den Abend ausklingen lassen. Vielen Dank wieder einmal an alle Mitwirkenden für diese zugleich besinnliche und gesellige Einstimmung auf den Sommer, in deren Rahmen uns unser Dekan Gabriel wieder so einiges zum Nachdenken in unseren Sommerrucksack gepackt hat.

(Text und Bilder: Stefanie Strickner)